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Versbuch

Thema

Liebesgedichte: 706 vollständige Texte

In dieser Liste stehen 706 Gedichte, deren Wortlaut von Liebe handelt – vom Vierzeiler bis zu Heinrich Heines „Jehuda ben Halevy“ mit 901 Zeilen. Jedes ist vollständig abgedruckt, mit Verfasser, Zeilenzahl, Druckjahr und der Ausgabe, aus der es stammt. Wer etwas für eine Karte sucht, findet 98 Gedichte mit höchstens zwölf Zeilen.

706 Gedichte von 52 Verfasserinnen und Verfassern · davon 98 mit höchstens 12 Zeilen

Alle Gedichte: Liebe

Zuerst die Gedichte, die das Stichwort schon im Titel tragen, danach die kürzeren vor den längeren. Jede Zeilenzahl ist gezählt.

Woraus die Liste besteht und wie man daraus wählt

Die Zuordnung zum Thema Liebe stammt nicht von den Druckausgaben, sondern aus dem Wortlaut der Gedichte selbst; geordnet hat sie diese Sammlung. Das erklärt, warum neben erwartbaren Namen auch solche stehen, die man unter dieser Überschrift nicht zuerst sucht. Vertreten sind 52 Verfasserinnen und Verfasser. Am häufigsten Heinrich Heine mit 103 Gedichten, dahinter Theodor Fontane mit 49, Louise Otto-Peters und Rudolf Lavant mit je 42, Gustav Schwab mit 41, Joachim Ringelnatz mit 38, Alfred Henschke mit 32 sowie Karl Streckfuß und Johann Wolfgang von Goethe mit je 30. Diese neun Namen stellen zusammen 407 der 706 Gedichte; zwölf Verfasser sind mit einem einzigen Text vertreten.

Die Zeilenzahl ist der erste Filter, den man anlegen sollte, und sie steht bei jedem Eintrag, bevor man ihn öffnet. Das kürzeste Gedicht der Liste hat vier Zeilen, das längste 901; der mittlere Wert liegt bei 32 Zeilen. Nach Längenbändern sortiert: fünf Gedichte haben höchstens vier Zeilen, 45 haben fünf bis acht, 48 neun bis zwölf, 118 dreizehn bis zwanzig, 196 einundzwanzig bis vierzig, 171 einundvierzig bis achtzig und 123 mehr als achtzig. Das größte Feld liegt also zwischen 21 und 40 Zeilen – genug für einen eigenen Programmpunkt, zu viel für die meisten Karten.

Für eine Karte, eine Widmung oder eine Grußzeile bleiben die 98 Gedichte mit höchstens zwölf Zeilen. Unter den 70 hier aufgeführten Titeln sind die kürzesten zwei Elfzeiler Heinrich Heines von 1844, „Daß du mich liebst, das wußt’ ich“ und „Küsse, die man stielt im Dunkeln“; dazu kommen sein „O schwöre nicht und küsse nur“ von 1827 mit zwölf Zeilen und Joachim Ringelnatz’ „Meine erste Liebe?“ von 1928, ebenfalls zwölf Zeilen. Knapp darüber liegt mit vierzehn Zeilen „Der Kuß“ von Karl Streckfuß aus dem Jahr 1804, das mit „Nie kann die Liebe ganz ihr Wesen sagen,“ anfängt – vierzehn Zeilen füllen eine Klappkarte innen fast genau.

Ein Druckjahr steht bei allen 706 Gedichten, und die Angaben reichen von 1683 bis 2009. 100 Gedichte tragen ein Jahr vor 1800, 354 eines aus dem 19. Jahrhundert, 252 eines ab 1900. Die stärksten Jahrzehnte sind die 1820er mit 106 Gedichten, die 1890er mit 100, die 1900er mit 97 und die 1920er mit 73; aus den 1810er Jahren stammt dagegen ein einziges. 25 Angaben liegen nach 1950. Sie stehen der Gemeinfreiheit nicht entgegen: Das Druckjahr benennt die Ausgabe, aus der ein Text hier übernommen ist, nicht die Zeit seiner Entstehung.

123 Gedichte haben mehr als achtzig Zeilen, und nach oben hin wird der Abstand groß. Das längste ist Heinrich Heines „Jehuda ben Halevy“ von 1851 mit 901 Zeilen, dessen Text im Druck mit dem Vermerk „(Fragment.)“ einsetzt. Es folgen Theodor Fontanes „Von der schönen Rosamunde“ von 1905 mit 687 Zeilen, überschrieben „(Romanzen-Cyklus.)“, und Richard Dehmels „Die beiden Schwestern“ von 1893 mit 543 Zeilen, das mit der Zeile „Ethische Burleske.“ beginnt. Rainer Maria Rilke ist mit zwei langen Texten von 1896 vertreten, „Träumen“ mit 316 und „Lieben“ mit 247 Zeilen. Solche Texte sind Leseabende, keine Kartensprüche.

Bei langen Gedichten ist die erste Zeile oft gar kein Vers, sondern eine Ziffer, eine Ortsangabe oder ein Untertitel. „Lieben“ beginnt mit einem bloßen „I“, Friederike Bruns „Nach dem Tode meines geliebten Bruders“ von 1795 mit der Jahreszahl „1786.“ und Goethes „Ziblis“ von 1767 mit „eine Erzählung.“. Louise Otto-Peters’ „Aus der Gefängniszeit 1850-1856“ steht viermal in der Liste, unter anderem mit 29 Zeilen und dem Anfang „Bruchsal, im August 1851.“ und mit 37 Zeilen und „Zöblitz, im Mai 1853.“. Goethes „Das Tagebuch“ mit 194 Zeilen setzt lateinisch ein. Wer nach dem Anfang auswählt, sollte in solchen Fällen in den Text hineinsehen.

Oft passt nicht das ganze Gedicht, sondern eine Strophe daraus. Das ist erlaubt und in Reden üblich – nur sollte man es sagen. Ein Halbsatz genügt: „eine Strophe aus …“ oder „die ersten acht Zeilen von …“. Wer aus einem Text von 128 Zeilen wie Streckfuß’ „Entsagung“ acht Zeilen nimmt und sie ohne Hinweis vorträgt, stellt den Text falsch dar, auch ohne es zu wollen. Und wenn die Zuhörer später nachlesen möchten, hilft die Zeilenzahl ein zweites Mal: Sie sagt vorab, ob ein Ausdruck auf ein Blatt passt oder auf zwei.

Die alte Rechtschreibung in diesen Texten ist kein Fehler und sollte beim Abschreiben stehen bleiben. „Blüthe“ in der ersten Zeile von Streckfuß’ „Echo“ von 1804, „Loosen“ zu Beginn seiner „Entsagung“ aus demselben Jahr und das einfache t in Alxingers „konte sie verlassen“ von 1780 geben den jeweiligen Druck wieder. Auch das ß in „Der Kuß“ und im Namen Karl Streckfuß gehört dazu. Wer modernisiert, verändert den Text; wer den Wortlaut der angegebenen Ausgabe zitiert, lässt ihn stehen. Beides ist möglich, aber es sollte eine Entscheidung sein und kein Versehen beim Tippen.

Alle Verfasserinnen und Verfasser dieser Liste sind seit mindestens siebzig vollen Kalenderjahren tot; ihr Urheberrecht ist erloschen (§ 64 in Verbindung mit § 69 UrhG). Die Gedichte darf man abschreiben, drucken, in eine Anzeige oder ein Programmheft setzen, vertonen und auch verkaufen, ohne jemanden zu fragen. Zwei Dinge bleiben zu beachten. Erstens ist eine Übersetzung oder eine neuere Bearbeitung ein eigenes Werk (§ 3 UrhG) und kann weiterhin geschützt sein – frei ist der deutsche Text in der hier angegebenen Fassung, nicht jede beliebige andere. Zweitens ist eine Quellenangabe zwar nicht mehr Pflicht, aber sauber: „Karl Streckfuß: Der Kuß, 1804“ genügt.