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Versbuch

Die todte Liebe

Conrad Ferdinand Meyer · 18251898

32 Zeilen · zuerst gedruckt 1882

Im Schatten wir,Das Dorf im Sonnenkuß,(Fast wie das Jüngerpaar,Das ging nach Emmaus,Dazwischen leiseRedend schrittDer Meister, dem sie folgtenUnd der den Tod erlitt.)So schreitet zwischen unsIm DämmerlichtUnsre todte Liebe,Die leise spricht.Sie weiß für das GeheimnißEin heimlich Wort,Sie kennt der SeelenAllertiefsten Hort.Sie deutet und erläutertUns jedes Ding,Sie sagt: So ist’s gekommen,Daß ich am Holze hing.Ihr habet mich verleugnetUnd schlimm verhöhnt,Ich saß im Purpur,Blutig, dorngekrönt,Ich habe Tod erlitten,Den Tod bezwang ich bald,Und geh’ in eurer MittenAls geistige Gestalt –Die WeggesellinBlieb unerkannt,Da hat uns wie den JüngernDas Herz gebrannt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 180f., 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die todte Liebe“, Fassung 3.578.366 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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