Zum Inhalt springen
Versbuch

Brief aus Düsseldorf nach München

Joachim Ringelnatz · 18831934

16 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1932

(10. Januar 1930)

Nun, sind die Tage Dir nicht schön verflossenIn dieser wohlgeführten, freien Stadt!?Und doppelt schön, weil, was wir hier genossenHaben, uns gleicherzeit gestreichelt hat.

Wie jene Gassenbuben Räder schlugen!Wie sich die Wellen rechts am Rhein betrugen!Zwar: „Löwensenf“ ist kein sehr schönes Wort,Doch er und schwarzes Brot! — In hundert StundenHaben wir hundert Herrliches gefunden.

Geliebte Frau, nun denk Dich dortZurück an jenes zarte WasserbrünnchenIm Breidenbacher Hof. Ach Du bist fortUnd weit von hier und untendrein in München.

Ich küsse Dich mit weitgedachtem RüsselAus Düssel.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte dreier Jahre Seite 48, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1932
Digitalisat
de.wikisource.org — „Brief aus Düsseldorf nach München“, Fassung 3.026.869 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Joachim Ringelnatz

Alle Gedichte von Joachim Ringelnatz ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Moderne und Expressionismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.