Der neue Amadis
Johann Wolfgang von Goethe · 1749–1832
31 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1775
Als ich noch ein Knabe war,Sperrte man mich ein.Und so saß ich manches JahrUeber mir allein,Wie im Mutterleib.
Doch du warst mein Zeitvertreib,Goldne Phantasie;Und ich ward ein warmer Held,Wie der Prinz Pipi,Und durchzog die Welt.
Baute manch Cristallen Schloß,Und zerstört es auch,Warf mein blinkendes GeschoßDrachen in den Bauch.Ja ich war ein Mann.
Ritterlich befreyt ich dannDie Prinzeßin Fisch.Sie war gar zu obligeant,Führte mich zu Tisch’,Und ich war galant!
Und ihr Kuß war Himmelsbrod,Glühend wie der Wein.Ach! ich liebte fast mich todt.Rings mit SonnenscheinWar sie emaillirt.
Ach wer hat sie mir entführt!Hielt kein ZauberbandIhr verräthrisch Fliehn?Sagt, wo ist ihr Land?Wo der Weg dahin?
N.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- aus der Zeitschrift: J. G. Jacobi: Iris, Zweyter Band; Düsseldorf: 1775; S. 78 – 80, Düsseldorf, 1775
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der neue Amadis“, Fassung 3.779.607 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Wolfgang von Goethe starb 1832; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1902 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118540238 der Deutschen Nationalbibliothek.
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