Aus einem Stammbuch von 1604
Johann Wolfgang von Goethe · 1749–1832
18 Zeilen · zuerst gedruckt 1828
Hoffnung beschwingt Gedanken, Liebe Hoffnung.In klarster Nacht hinauf zu Cynthien, Liebe!Und sprich: wie sie sich oben umgestaltet,So auf der Erde schwindet, wächs’t mein Glück.Und wispere sanft-bescheiden ihr an’s Ohr,Wie Zweifel oft das Haupt hing, Treuethränte.Und ihr Gedanken, mißzutraun geneigt,Beschilt euch die Geliebte dessenthalb,So sagt: ihr wechselt zwar, doch ändert nicht,Wie sie dieselbe bleibt und immer wechselt.Untrauen tritt in’s Herz, vergiftet’s nicht,Denn Lieb’ ist süßer von Verdacht gewürzt.Wenn sie verdrießlich dann das Aug’ umwölkt,Des Himmels Kläre widerwärtig schwärzt,Dann Seufzer-Winde scheucht die Wolken weg,Thränt nieder sie in Regen aufzulösen.Gedanke, Hoffnung, Liebe bleibt nur dort,Bis Cynthia scheint wie sie mir sonst gethan.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Goethes Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Band 3, S. 51 (Erstdruck in "Über Kunst und Alterthum", Band 2, Heft 3, S. 32-33. Stuttgart, 1820.), Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Aus einem Stammbuch von 1604“, Fassung 1.560.278 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Wolfgang von Goethe starb 1832; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1902 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118540238 der Deutschen Nationalbibliothek.
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