An die Geliebte
Gustav Schwab · 1792–1850
24 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1828
Sie fassen nicht den ew’gen Schimmer,Der dir aus deinen Augen geht,So wie des Mondes heil’gen FlimmerKein irdisches Gemüth versteht.Hell muß es, wie die Sonne, blenden,Was dieser Welt gefällt und lacht,Muß alles mit dem Tage enden,Denn für den Schlaf ist ihre Nacht.
Mir wird dein Leben erst entfaltet,Wann alles rings in Schatten fällt;Ich weiß, so lang die Sonne waltet,Von dir kein Gleichniß auf der Welt.Du gehst in unbemerkter FülleEinsam vorüber und verwirrt,Ein Stern, der sich aus Nacht und StilleIn dieses fremde Licht verirrt.
O dann erst, wann der Abend dichterSich um die stille Erde schließt,Und wann der Schein verwandter LichterAuf dich vom blauen Himmel fließt;Dann erst, du namenloses Wesen,Du Stern des Himmels, fass’ ich dich,Und mein’ in deinem Blick zu lesen,Beim Strahl des Monds, du liebest mich.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 12, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „An die Geliebte“, Fassung 1.334.434 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
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