Was ist die alte Mamsell Schmöle
Wilhelm Busch · 1832–1908
27 Zeilen · zuerst gedruckt [1960]
Für eine liebe, treue Seele!Sie spricht zu ihrer Dienerin:Ach, Rieke, geh Sie da nicht hin!Was will Sie da im goldnen LöbenHeut abend auf und nieder schweben?Denn wedelt nicht bei Spiel und TanzDer Teufel fröhlich mit dem Schwanz?Und überhaupt, was ist es nütz?Sie quält sich ab, Sie kommt in Schwitz,Sie geht hinaus, erkältet sichUnd hustet dann ganz fürchterlich.Drum bleibe Sie bei mir nur lieber!Und, Rieke, geh Sie mal hinüberUnd hole Sie von Kaufmann FräseEin Viertel guten Schweizerkäse,Und sei Sie aber ja ja jaGleich zur Minute wieder da!So ist die gute Mamsell SchmöleBesorgt für Riekens Heil der Seele.Ja später noch, in stiller Nacht,Ist sie auf diesen Zweck bedachtUnd schleicht an Riekens KammertürUnd schaut, ob auch die Rieke hier,Und ob sie auch in Frieden ruhtUnd daß ihr ja nicht wer was tut,Was sich nun einmal nicht gehört,Was gottlos und beneidenswert.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Kritik des Herzens. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 2, S. 502-503, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Was ist die alte Mamsell Schmöle“, Fassung 3.779.527 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.