Nicht düstre, Theosoph, so tief!
Georg Friedrich Daumer · 1800–1875
33 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1846
CXCII.
Nicht düstre, Theosoph, so tief!Nicht blicke, Moralist, so scheel!Wir möchten gerne selig sein,Und dieses ist ja wohl kein Fehl.
Hinschmachtend in der Wüste SandGleichwie die Kinder Israel,Schrei’n wir zu Gott um Labungen,Und dieses ist ja wohl kein Fehl.
Was kümmert uns der Tuba-Baum,Und was der Engel Gabriel?Wir suchen einer Schenke Thür’,Und dieses ist ja wohl kein Fehl.
Wir lieben unsern alten WirthUnd haben deß auch keinen Hehl;Wir fliehen alle Heuchelei,Und dieses ist ja wohl kein Fehl.
Nicht Menschenblut vergießen wirAuf wilden Hasses Wuthbefehl;Der Rebe Blut genießen wir,Und dieses ist ja wohl kein Fehl.
Wir öffnen unsern BusenschreinDer Liebe köstliches JuwelMit vollen Händen auszustreu’n,Und dieses ist ja wohl kein Fehl.
Wir preisen unser süßes HerzVierzeilig oder im Gasel;Dem Holden ist der Dichter hold,Und dieses ist ja wohl kein Fehl.
Du trage keuchend jede Last,Dem Esel gleich und dem Kameel!Wir schütteln unsre Bürden ab,Und dieses ist ja wohl kein Fehl.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Hafis. Eine Sammlung persischer Gedichte: nebst poetischen Zugaben aus verschiedenen Völkern und Ländern. S. 125-126, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1846
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Nicht düstre, Theosoph, so tief!“, Fassung 3.506.184 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Friedrich Daumer starb 1875; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1945 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118678957 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.