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Versbuch

Weltgeheimnis

Hugo von Hofmannsthal · 18741929

24 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1922

Der tiefe Brunnen weiß es wohl,Einst waren alle tief und stumm,Und alle wußten drum.

Wie Zauberworte, nachgelalltUnd nicht begriffen in den Grund,So geht es jetzt von Mund zu Mund.

Der tiefe Brunnen weiß es wohl;In den gebückt, begriffs ein Mann,Begriff es und verlor es dann.

Und redet' irr und sang ein Lied –Auf dessen dunklen Spiegel bücktSich einst ein Kind und wird entrückt.

Und wächst und weiß nichts von sich selbstUnd wird ein Weib, das einer liebtUnd - wunderbar wie Liebe gibt!

Wie Liebe tiefe Kunde gibt! –Da wird an Dinge, dumpf geahnt,In ihren Küssen tief gemahnt...

In unsern Worten liegt es drin,So tritt des Bettlers Fuß den Kies,Der eines Edelsteins Verlies.

Der tiefe Brunnen weiß es wohl,Einst aber wußten alle drum,Nun zuckt im Kreis ein Traum herum.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 19, Insel Verlag, Leipzig, 1922
Digitalisat
de.wikisource.org — „Weltgeheimnis“, Fassung 3.026.750 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Hugo von Hofmannsthal starb 1929; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1999 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118552759 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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