Die Blumen
Friedrich Schiller · 1759–1805
30 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1854
Kinder der verjüngten Sonne,Blumen der geschmückten Flur,Euch erzog zu Lust und Wonne,Ja, euch liebte die Natur.Schön das Kleid mit Licht gesticket,Schön hat Flora euch geschmücketMit der Farben Götterpracht.Holde Frühlingskinder, klaget!Seele hat sie euch versaget,Und ihr selber wohnt in Nacht’.
Nachtigall und Lerche singenEuch der Liebe selig Loos,Gaukelnde Sylphiden schwingenBuhlend sich auf eurem Schooß.Wölbte eures Kelches KroneNicht die Tochter der DioneSchwellend zu der Liebe Pfühl?Zarte Frühlingskinder, weinet!Liebe hat sie euch verneinet,Euch das selige Gefühl.
Aber hat aus Ranny’s BlickenMich der Mutter Spruch verbannt,Wenn euch meine Hände pflückenIhr zum zarten Liebespfand,Leben, Sprache, Seelen, Herzen,Stumme Boten süßer Schmerzen,Goß euch dies Berühren ein,Und der mächtigste der GötterSchließt in eure stillen BlätterSeine hohe Gottheit ein.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Friedrich Schiller: Gedichte von Friedrich Schiller; S. 39-40., J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1854
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Blumen (Schiller)“, Fassung 3.487.173 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Friedrich Schiller starb 1805; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1875 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118607626 der Deutschen Nationalbibliothek.
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