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Versbuch

Die Unschuld

Christian Felix Weiße · 17261804

20 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1758

Mutter.Ja, liebes Kind, bisher hab ich dich selbst bewacht:Nun bist du sechzehn Jahr, nun nimm dich selbst in Acht!Flieh aller falschen Schäfer List:Sie sagen dir, wie schön du bist,Wie sehr ihr Herz von dir entzündet ist!Doch darfst du ihnen niemals traun,Und schwören sie, auf ihren Schwur nicht baun;Denn wenn man ihnen nur den mindsten Kuß erlaubt,So ist uns schon die Unschuld halb geraubt!

Tochter.So, Mutter? giengs euch so? ey warum sagtet ihrMir dieses nicht schon längst: was kann ich nun dafür,Daß sie mir halb geraubet ist?Denn Damon hat mich, welche List!Zehnmal, ja hundertmal geküßt.Schön ists: o wär es doch erlaubt!Wie schön muß es erst seyn, wenn man sie ganz uns raubt!Sagt Mutter, wie mans macht; sonst schweig ich etwan still,Wenn Damon kömmt, und mir sie rauben will.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Scherzhafte Lieder. S. 103-104, 1. Auflage, Weidemann, Leipzig, 1758
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Unschuld“, Fassung 3.578.892 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Christian Felix Weiße starb 1804; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1874 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118630563 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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