An Selma Gerstenberg
Friederike Brun · 1765–1835
21 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1795
A nSelma Gerstenberg.(1784.)
Selma! Selma! du schläfst im ersten Hauche des Lenzes.Schallt dir der freundliche Ruf nicht zum Herzen empor?Wecket das Rauschen des Sees am umschatteten Blumengestade,Wecket der Nachtigall Lied aus dem Schlummer dich nicht?Scheuchet der leisere Ton, den sehnende Freundschaft dir weihet,Nicht, mit der Liebe vereint, dir vom Auge den Schlaf?Ach! erwache Geliebte! daß deiner harmonischen StimmeKlage noch einmal ertön’ unter dem Rieseln des Quells.Beugt euch tiefer herab, umschattende Zweige der Buchen;Schweige, leisester West! lausche dem lieblichen Ton!Selma, schweigest du noch? Bleibt noch geschlossen dein Auge?Und die Lippe, die sonst Namen der Liebe mir gab,Ach! sie öffnet sich nicht! es strahlt von der ruhenden Stirne,Mir der Friede herab, schwer errungenen Lohns!Selma! ich störe dich nicht im sanfterquickenden Schlummer;Freundlich erwecke dich uns himmlisches Morgenroth einst.Selma! Selma! dann, in den Hütten ewiger WonneTönt dein himmlisches Lied mir am Quelle der Ruh’!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 65–66, Orell, Gessner, Füssli & Comp., Zürich, 1795
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „An Selma Gerstenberg“, Fassung 1.101.496 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Friederike Brun starb 1835; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1905 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118516051 der Deutschen Nationalbibliothek.
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