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Versbuch

Das Volkslied

Rainer Maria Rilke · 18751926

17 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1955

Nach einer Kartonskizze des Herrn Liebscher

Es legt dem Burschen auf die Stirnedie Hand der Genius so lind,daß mit des Liedes Silberzwirneer seiner Liebsten Herz umspinnt.

Da mag der Bursch sich süß erinnern,was aus der Mutter Mund ihm scholl,und mit dem Klang aus seinem Innernfüllt er sich seine Fiedel voll.

Die Liebe und der Heimat Schönedrückt ihm den Bogen in die Hand,und leise rieseln seine Tönewie Blütenregen in das Land.

Und große Dichter, ruhmberauschte,dem schlichten Liede lauschen sie,so gläubig wie das Volk einst lauschtedem Gotteswort des Sinai.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Larenopfer. In: Sämtliche Werke, Band I, S. 40., Insel-Verlag, Frankfurt am Main, 1955
Digitalisat
de.wikisource.org — „Das Volkslied“, Fassung 2.563.019 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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