Kleinstadtpfingsten
Alfred Henschke · 1890–1928
20 Zeilen · zuerst gedruckt 1913
Um eine schöne Pfingststimmung zu bewirken,Stellt man in den kleinen Städten BirkenVor die Tür. Und am Vorabend singenDie Mädchen süßsonderbare Lieder, die den Sommer herbeizwingenSollen. Die Buben zwitschern auf ihren Kalmusstauden wie Nachtigallen.Aber vor allenDingen vergeßtNicht: wir feiern Pfingsten das Schützenfest.In grasgrüner Uniform wie die Förster, mit Fahnen, Flöten, Pauken, und unter ApplausDes Publikums, marschiert die Schützengilde (63 Mann) zum Schützenhaus.Mein Vater ist Schützenmajor – er trägt einen EhrendegenUnd muß an solchem Fest- und Ehrentage auch seinen Kronenorden vierter Klasse anlegen,Sowie die hohenzollern-sigmaringsche Verdienstmedaille. –Die Mädchen gehen alle schon in weißer Taille,Und am Abend tanzt man im Schützenhaussaal bis zum Verrücktwerden …Dann draußen unter den Bäumen … im Grase … von deinem Munde beglückt werden.… Küsse … Musik von ferne … am Abendhimmel die Venus gleißt …Und wir reden jauchzend irr mit fremden Zungen,Unsere Herzen sind wie Blüten aufgesprungen,Nieder fuhr durchs Dunkel wie ein Blitz singend der heilige Geist …
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern!, S. 30, Erich Reiß Verlag, Berlin, 1913
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Kleinstadtpfingsten“, Fassung 1.103.432 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.
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