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Versbuch

Die gegeißelte Psyche

Conrad Ferdinand Meyer · 18251898

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1882

Wo von alter Schönheit TrümmernMarmorhell die Säle schimmern,Windet blaß und lieblich einePsyche sich im Marmelsteine.

Unsichtbarem GeißelhiebeBeugt sie sich in Qual und Liebe,Auf den zarten Knieen liegend,Enge sich zusammenschmiegend.

Flehend halb und halb geduldigTrägt sie Schmach und weiß sich schuldig,Ihre Schmerzensblicke fragen:Liebst du mich? und kannst mich schlagen?

Soll dich der Olymp begrüßen,Arme Psyche, mußt du büßen!Eros, der dich sucht und peinigt,Will dich selig und gereinigt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 128, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die gegeißelte Psyche“, Fassung 3.507.863 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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