Die Brünette
Johann Baptist von Alxinger · 1755–1797
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1780
Gesehen, ja gesehn, die göttlichste Brünette,O Abend, mir ein Wonnefest!Denn Amor heftete mit untrennbarer KetteIhr Bild an meine Seele fest.
Die dunkle Schelmenaug; voll von verhaltnem Feuer,Und fähig zu der Liebe Wuth,Die Haar, wie Ebenholz, das unterm leichten SchleyerDes Dünntuchs doppelt Wunder thut.
Die Weisse dieser Stirn’, erhöht von Augenbraunen,Wie Raben schwarz, wie Seiden fein;Dies weiche Kinn, umschwebt von Scherz, von süssen Launen,Und von der Liebe Tändeleyn:
Dies Füßchen, nymphenhaft; der Wuchs, o ihn umspannenWär Himmelsfreude! herrlich stehtSie unter Mädchen da; wie unter kleinen TannenDie Königin des Waldes steht.
Und, o wenn ihre Hand, hin über dem KlaviereSo leicht, so küssenswürdig schwebt,Wenn, sanfter als der Hauch hinwallender Zephyre,Sich ihre Silberstimm’ erhebt.
Weh mir! da pocht mein Herz, da glühet meine Wange,Gleich Stürmen treibt es mich herum:Hoch drängt sich auf in mir ein inniges Verlangen,Doch, ach! mein Auge selbst ist stumm.
Der Boden wanket hin, flieht unter meinen Füssen,Und lechzend schwör’ ich, Liebe, dir,Nur Einen, Einen nur von dieses Engels Küssen,Und o mein Leben nimm dafür!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte S. 55–56, 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Brünette (Alxinger)“, Fassung 3.487.311 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.
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