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Versbuch

Die neue Zeit

Gustav Schwab · 17921850

35 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1828

2.Die neue Zeit.1824.Selt’nes ward von uns erlebet,Einer von den großen Tagen;Ja, die Weltuhr hat geschlagen,Daß die Mitternacht erbebet.

Funkelnd glänzten die GestirneEinem neuen Tag entgegen,Auf der Erde keimte Segen,Und der Mensch erhub die Stirne.

Morgenwolken roth und blutigKamen d’rauf herangezogen,Nebel kamen aufgeflogen,Doch das Herz blieb fest und muthig.

Bis der Strahl vom Himmel zückte,Bis die Stürme heulten wüthend,Und die alte Nacht sich brütendAuf die müden Häupter drückte.

Und es zagten alle Frommen,Und es seufzte der Gerechte:„Soll vergehen dieß Geschlechte,Noch bevor die Sonn’ ist kommen?“

Sieh, da tönet eine Stimme,Macht sich Bahn zu aller Herzen,Durch die Seufzer, durch die Schmerzen,Durch das Element im Grimme:

„Einst geschieht des Himmels Wille,Ihr geht unter All’ im Ringen,Aber Er wird es vollbringen,Und die Weltuhr steht nicht stille.“

„Wollt ihr in die Räder fahren?Wollt ihr am Gewichte zerren?Wißt ihr’s nicht? vor Gott dem HerrenIst ein Tag gleich tausend Jahren!“

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte. 1. Band, S. 159–160, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die neue Zeit“, Fassung 3.541.605 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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