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Versbuch

Das Ideal

Richard Dehmel · 18631920

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1893

Doch hab ich meine Sehnsucht stets gebüßt;ich ging nach Liebe aus auf allen Wegen,auf allen kam die Liebe mir entgegen,doch hab ich meine Sehnsucht stets gebüßt …

Es stand ein Baum in einem Zaubergarten,von tausend Blüten duftete sein Bild,doch eine leuchtete vor allen mild;es stand ein Baum in einem Zaubergarten.

Und aus den tausend pflückte ich die eine,sie war noch schöner mir in meinen Händen;ich aber kniete, Dank dem Baum zu spenden,von dem aus tausend ich gepflückt die eine.

Ich hob die Augen zu dem Zauberbaume,und wieder schien vor allen Eine licht,und meine welkte schon – ich dankte nicht;ich hob die Augen zu dem Zauberbaume …

Doch hab ich meine Sehnsucht nie verlernt;ich ging nach Liebe aus auf allen Wegen,auf jedem glänzte mir ein andrer Segen,drum hab ich meine Sehnsucht nie verlernt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Aber die Liebe, 1. Auflage, Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto, München, 1893
Digitalisat
de.wikisource.org — „Das Ideal“, Fassung 2.363.737 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Richard Dehmel starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118679236 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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