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Versbuch

Der Traumgott bracht’ mich in ein Riesenschloß

Heinrich Heine · 17971856

23 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1827

Wo schwüler Zauberduft und Lichterschimmer,Und bunte Menschenwoge sich ergoßDurch labyrinthisch vielverschlungne Zimmer.Die Ausgangspforte sucht der bleiche Troß,Mit Händeringen und mit Angstgewimmer.Jungfrau’n und Ritter ragen aus der Menge,Ich selbst bin fortgezogen im Gedränge.

Doch plötzlich steh’ ich ganz allein, und seh’,Und staun’, wie schnell die Menge konnt’ verschwinden,Und wandre fort allein, und eil’, und geh’Durch die Gemächer, die sich seltsam winden.Mein Fuß wird Blei, im Herzen Angst und Weh,Verzweifl’ ich fast den Ausgang je zu finden.Da komm’ ich endlich an das letzte Thor;Ich will hinaus – o Gott, wer steht davor!

Es war die Liebste, die am Thore stand,Schmerz um die Lippen, Sorge auf der Stirne.Ich soll zurückgehn, winkt sie mit der Hand;Ich weiß nicht ob sie warne oder zürne.Doch aus den Augen bricht ein süßer Brand,Der mir durchzuckt das Herz und das Gehirne.Wie sie mich ansah, streng und wunderlich,Und doch so liebevoll, erwachte ich.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Buch der Lieder, Lyrisches Intermezzo, S. 164–165, 1, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Traumgott bracht’ mich in ein Riesenschloß“, Fassung 3.816.498 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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