Der Anstand
Johann Baptist von Alxinger · 1755–1797
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1780
Hier, wo der Boden sich mit gelben,Dem Baum’ entsunkenen Blättern deckt,Nackt über mir sich Aeste wölben,Lieg’ ich im Rasen hingestreckt:
An einer alten Eiche hängetMein ungeladen Feuerrohr;Denn, o kein Mordgedanke drängetSich in ein zärtlich Herz empor.
O weidet nur, ihr jungen Rehe!O weidet nur in Sicherheit;Obgleich ich Liebesiecher sehe,Wie ihr durch Liebe glücklich seyd.
O Gott! wie, wenn sie plötzlich kämeDurch dieser Bäume SäulengangWenn fernher schon mein Ohr vernähmeDes lieben Mädchens Engelsang!
Auffahr’ ich, wie ein Feuerfunken,Umarme sie so inniglich,Und jauchz’ und klammre wonnetrunkenSo fest an ihre Schulter mich.
Dann lang’ ich Brodt aus meiner Tasche,Das nun der Götterspeise gleichtUnd trink’ aus dieser Jägerflasche,Noch von des Mädchens Lippen feucht.
Weh mir! ich fühle, daß ich träume,Ach, meilenweit entfernt ist sie,Und in dem Säulengang der BäumeNur Schweigen und Melancholie!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte S. 47–48, 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Anstand“, Fassung 3.082.240 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.
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