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Versbuch

Trinklied

Alfred Henschke · 18901928

32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1927

Ich sitze mit steifer Gestewie ein Assessor beim Feste.Mein Herz schlägt hinter der Weste,was weiß ich.Hielte der Kragen nicht meinen Schädel,er rollte in deinen Schoß, Mädel,und tränke Tokayer dort edel,was weiß ich.

In mir wogt Näh und Ferne.Prost, goldne Brüder, ihr Sterne!Die Schenkin aus der Taverne,was weiß ich,bringt einen vollen Humpen.Nun sauft, ihr gottvollen Lumpen,und qualmt mit euren Stumpen,was weiß ich.

Ich streichle mit weinfeuchter Tatzedein zartes Fellchen, Katze,schon springt ein Knopf am Latze,was weiß ich.Wir wollen das Fest verlassenund im Mondschein der alten Gassenuns pressen und Liebe prassen,was weiß ich.

Es sind so viele gegangen,die einst an mir gehangen,sie soffen mit mir und sangen,was weiß ich.Und komm ich einst zu sterben,soll eins mir nicht verderben,du sollst das eine mir erben,das weiß ich.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die Harfenjule S. 14–15, 1. Auflage, Verlag Die Schmiede, Berlin, 1927
Digitalisat
de.wikisource.org — „Trinklied (Klabund)“, Fassung 2.353.080 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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