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Versbuch

Kalliopens Gesang von dem Fürsten von Kaunitz-Rittberg dem Künstebeförderer.

Johann Baptist von Alxinger · 17551797

44 Zeilen in 11 Strophen · zuerst gedruckt 1780

Kalliope stand auf, die Schwestern horchten alle,Kein leiser West durchlispelteDie Lorbeerhayne, stille wards am Wasserfalle,So sang die Göttliche:

Der Edle, der schon früh die Weisheit aller LandeMit wißbegiergen Lippen sog,Doch nie der heimischen, und nie dem VaterlandeSein grosses Herz entzog;

Der wieder Ruhe müden Völkern auszuspenden,In allen Friedenskünsten groß,Theresiens Vertreter zog, mit starken HändenDes Janus Tempel schloß;

Dann ruhig, wie ein Gott im Schwalle von Geschäften,Der Sülly’s steile Bahn betrat,Und Werke der Unsterblichkeit mit JünglingskräftenUnd Greisenweisheit that,

Mein Kaunitz liebt uns noch, in Stunden seiner MusseGeht er in unser HeiligthumEin zweyter Phöbus, horchet unserm Jubelgrusse,Heißt Harfen, welche stumm

An braunen Wänden hiengen, wieder neu besaiten,Und sie durch unsern LorbeerhaynGewaltig tönen, sie den spätsten FolgezeitenEin seltnes Muster seyn.

Und wenn nun deine Künstler auch dem Steine LebenUnd menschliche Gestalt dem Erz,Und jede Scen’ aus der Natur der Leinwand geben;Wenn nun Thaliens Scherz

Und Melpomenens Klag’ auf deiner feinern BühneDie edle Farce ganz verdrang,Mit welcher der Geschmack wie Rüdiger der kühneMit Erifilen *) rang;

Wenn meiner Söhne sanfte Stimm’ jetzt deinem Ohre,So lang der Wahn verschlossen hat,Bemerkt wird, jeder Kunst geöffnet deine Thore,Ihm dank’ es Kaiserstadt!

Ihm dankt es, Schwestern! eilt des Weisen Bild zu krönen,Das Delius ihm aufgestellt,Und von bekränztem Spiel laßt seine Thaten tönenBis zu der Enkelwelt!

Sie sangs, und sieh! die Musen fliegen zu der Feyer,Es rauscht ihr duftendes Gewand,Die Leyern klingen alle, du zu schwache LeyerVerstumm’ in meiner Hand!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte S. 11-13, 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
Digitalisat
de.wikisource.org — „Kalliopens Gesang“, Fassung 1.458.657 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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