Don Fadrique
Conrad Ferdinand Meyer · 1825–1898
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1882
Don Fadrique bringt ein StändchenSeiner drolligen Pepita:„Liebchen, strecke durch die ThüreDeines Füßchens Spitze nur!“
Und die drollige PepitaStreckt durch eine schmale SpalteEines allerliebsten FußesWeißes Spitzchen in die Luft.
Don Fadrique krümmt den Rücken,Will das weiße Spitzchen küssen,Knabe Amor steht bei Seite,Der den Bogen lachend spannt.
Nach dem ewig jungen HerzenZielt er, doch wer lacht, der zielt schlecht:In des Ritters alten RückenSchießt er einen Hexenschuß.
Don Fadrique’s Knochen rasseln,Don Fadrique stürzt zusammen,Figaro holt eine Sänfte,Figaro bringt ihn zu Bett.
„Frommer Bruder Agostino,Exorcire mir das frevleAllerliebste weiße FüßchenDas durch meine Beichte tanzt!“
Don Fadrique sucht den Hades,Zierlich schreitend wie ein Stutzer,Tänzelnd leuchtet ihm ein weißesFüßchen durch die Unterwelt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 286–287, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Don Fadrique“, Fassung 2.085.577 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.
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