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Versbuch

Der Fischer

Johann Wolfgang von Goethe · 17491832

32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1789

Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll,Ein Fischer saß daran,Sah nach dem Angel ruhevoll,Kühl bis an’s Herz hinan:Und wie er sitzt und wie er lauscht,Theilt sich die Fluth empor,Aus dem bewegten Wasser rauschtEin feuchtes Weib hervor.

Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:Was lockst du meine BrutMit Menschenwitz und MenschenlistHinauf in Todesgluth?Ach wüßtest du, wie’s Fischlein istSo wohlig auf dem Grund,Du stiegst herunter, wie du bist,Und würdest erst gesund.

Labt sich die liebe Sonne nicht,Der Mond sich nicht im Meer?Kehrt wellenathmend ihr GesichtNicht doppelt schöner her?Lockt dich der tiefe Himmel nicht,Das feucht verklärte Blau?Lockt dich dein eigen AngesichtNicht her in ew’gen Tau?

Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll,Netzt’ ihm den nackten Fuß,Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll,Wie bey der Liebsten Gruß.Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;Da war’s um ihn geschehn:Halb zog sie ihn, halb sank er hin,Und ward nicht mehr gesehn.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Johann Wolfgang von Goethe: Goethes Schriften. Achter Band, G. J. Göschen. 1789. Seite 155–156, G. J. Göschen, Leipzig, 1789
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Fischer“, Fassung 3.113.358 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Johann Wolfgang von Goethe starb 1832; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1902 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118540238 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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