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Versbuch

Schloß Eger

Theodor Fontane · 18191898

80 Zeilen in 10 Strophen · zuerst gedruckt 1905

Lärmend, im Schloß zu Eger,Ueber dem Ungarwein,Sitzen die WürdenträgerHerzogs Wallenstein:Tertschka, des Feldherrn Schwager,Illo und Kinsky dazu,Ihre Heimath das Lager,Und die Schlacht ihre Ruh.

Lustig flackern die Kerzen;Aber der Tertschka spricht:„Ist mir’s Nacht im Herzen,Oder vor’m Gesicht?Diese Lichter leuchtenWie in dunkler Gruft,Und die Wände, die feuchten,Hauchen Grabesluft.“

Feurig funkelt der Unger;Aber der Kinsky spricht:„Draußen bei Frost und HungerSchüttelte so mich’s nicht,Hielte lieber bei LützenWieder in Qualm und Rauch;Wolle Gott uns schützen,Oder – der Teufel auch.“

Illo nur, Herz wie KehleHält er bei Laune sich,Dicht ist seine SeeleGegen Hieb und Stich,Trägt ein BüffelkollerWie sein Körper traun,Lustiger und tollerWar er nie zu schaun.

Und vom Trunke heiserRuft er jetzt und lacht:„Das erst ist der Kaiser,Wer den Kaiser macht;Eid und Treue brechen,Thaten wir’s allein?Hoch der König der Czechen,Herzog Wallenstein!“

Burg- und Schloß-BewohnerRuhen … Da sieh, in Stahl,Buttlersche DragonerDringen in den Saal;Buttler selbst, im Helme,Tritt an den Illo: „sprich,Seid ihr Schurken und Schelme,Oder gut kaiserlich?!“

Hei, da fahren die KlingenWie von selber heraus,Von dem Pfeifen und SchwingenLöschen die Lichter aus;Weiter geht es im Dunkeln,Nein, im Dunkeln nicht:Ihrer Augen FunkelnGiebt das rechte Licht.

Tertschka fällt; danebenKinsky mit Fluch und Schwur;Mehr um Tod wie LebenFicht selbst Illo nur,Schlägt blindhin in ScherbenSchädel und Flaschen jetzt,Wie ein Eber im SterbenNoch die Hauer wetzt.

Licht und Fackel kommen,Geben düstren Schein:In einander verschwommenBlinken Blut und Wein;Ueberall im SaaleLeichen in buntem Gemisch,Stumm, vor seinem Mahle,Sitzt der Tod am Tisch.

Buttler aber, wie WetterDonnert jetzt: „laßt sie ruhn!Das sind erst die Blätter,An die Wurzel nun.“Bald in Schlosses FerneHört man’s krachen und schrein; –Schau nicht in die Sterne,Rette dich, Wallenstein!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Seite 232–234, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „Schloß Eger (Fontane, 1905)“, Fassung 2.572.841 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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