Venus Perversa
Richard Dehmel · 1863–1920
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1893
Auch vorbei; und sieben Kreuzehinter Jede! mein Gelüst ging irr.Aber – ich brauche tiefere Reize:Dich: komm, liebe dich vor mir!
Dich nur, Dich nur: deine genossenen Blickeund deine bittende Scham und deine treuenHände lieb’ich … ja, entzückemich mit Deinen Rasereien!
Oh Du! wenn die Knospen deiner müdenBrüste unter deinen tastenden Fingernwieder schwellen, wie in jüngernNächten … oh du, keinen Frieden
ließ mir’s: meine eigenen Freudensind mir Schaum, der bitter ist!aber Du, wenn Du so stöhnst und glühst,will ich mich an Deiner Wildheit weiden:
wie du gleich verlassnen Bräutendeine Sehnsucht nach mir stilltest,wenn du tief in deinen Heimlichkeitenmit berauschten Armen wühltest –
wühlst … stillst … Seele, bricht dein Blick?oh du: laß mich diesen Blick genießen,dies Verröcheln von Lippen bis zu Füßen,recke dich nicht so starr zurück – –
Ekelt dich? Ah –: fühlst du nun auch den reifenMenschen? bist du satt der Kuhnatur?! –Und wir fliehen, wir begreifenden Triumph der Unnatur …
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Aber die Liebe, 1. Auflage, Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto, München, 1893
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Venus Perversa“, Fassung 622.382 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Richard Dehmel starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118679236 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.