Das Lied vom Hasse.
Georg Herwegh · 1817–1875
32 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1886
Wohlauf, wohlauf, über Berg und FlußDem Morgenroth entgegen,Dem treuen Weib den letzten Kuß,Und dann zum treuen Degen!Bis unsre Hand in Asche stiebt,Soll sie vom Schwert nicht lassen;Wir haben lang genug geliebt,Und wollen endlich hassen!
Die Liebe kann uns helfen nicht,Die Liebe nicht erretten;Halt' du, o Haß, dein jüngst Gericht,Brich Du, o Haß, die Ketten!Und wo es noch Tyrannen gibt,Die laßt uns keck erfassen;Wir haben lang genug geliebt,Und wollen endlich hassen!
Wer noch ein Herz besitzt, dem soll'sIm Hasse nur sich rühren;Allüberall ist dürres Holz,Um unsre Glut zu schüren.Die ihr der Freiheit noch verbliebt,Singt durch die deutschen Straßen:„Ihr habet lang genug geliebt,O lernet endlich hassen!“
Bekämpfet sie ohn' Unterlaß,Die Tyrannei auf Erden,Und heiliger wird unser Haß,Als unsre Liebe, werden.
Bis unsre Hand in Asche stiebt,Soll sie vom Schwert nicht lassen;Wir haben lang genug geliebt,Und wollen endlich hassen!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Vorwärts, 1. Auflage, Verlag der Volksbuchhandlung in Hottingen, Zürich, 1886
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Das Lied vom Hasse“, Fassung 2.572.781 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Herwegh starb 1875; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1945 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118550128 der Deutschen Nationalbibliothek.
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