Zum Inhalt springen
Versbuch

Liebe im Winter

Gustav Schwab · 17921850

33 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1828

An Thekla.Sie ist so schön, des Winters stumme Gegend,Wann rings die Flur im Schnee sich blendend hebt,Und über ihr den lichten Kreis bewegend,Der Mond mit seinem Sternenheere schwebt:Der Wandrer liebt die Fluren zu durchschauen,Nicht Wärme sucht er, und nicht Frühlingsduft,Ihm gnügt die Gabe dieser kühlen Auen,Des Himmels Strahl und eine reine Luft.

Da wandelt mir vor meinen kühlen SinnenDein liebes Bild vorüber als ein Geist,Und all mein Wesen wird ein stilles Minnen,Ein leises Lied, das deine Güte preist.Ich liebe dich, wie jene goldnen SterneIn ihrem Strahl, der ohne Gluten glänzt,Wie jenen Aether, der in dunkler FerneMit liebevollem Blau das All umgränzt.

Es blüht nicht üppig unter deinen FüßenDie Flur zu einem Blumenwald empor,Und von den kahlen Bäumen tönt kein GrüßenVon frohen Vogelfängen in dein Ohr.Du blühst allein auf diesen weiten Feldern,Vom weißen Schnee verkläret und verschönt,Ein Schweigen herrscht im Thal und auf den WäldernUnd deiner Züge Harmonie nur tönt.

Soll ich des Schönen Lieblichkeit gewahren,So mag es wuchernd unter Blumen blühn;Doch soll sich seine Hoheit offenbaren,So muß es einsam in der Nacht erglühn.Will sich die Liebe ganz als Fürstin zeigen,So flieht der Lenz, die fremde Blume fällt,Empor aus todtem Eise muß sie steigen,Ein Blumenbeet, ein Frühling, eine Welt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte. 1. Band, S. 8–9, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
Digitalisat
de.wikisource.org — „Liebe im Winter“, Fassung 1.334.436 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Gustav Schwab

Alle Gedichte von Gustav Schwab ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Romantik

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.