Sehnsucht nach der Schweiz
Friederike Brun · 1765–1835
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1795
Sehnend denk’ ich Eurer stillen Hütten,Wo die Unschuld immer lächelnd wohnt;Wo die Einfalt väterlicher SittenReines Blut und muntres Alter lohnt.
Thränen rinnen, denk’ ich Eurer Höhen,Eurer tiefen Thäler frisch umkränzt;Eurer Eisgefilde, Eurer Seen,Sanft vom Aetherhimmel überglänzt;
Und der Wiesenplane, wo im WeidenUnter Kindern Ziegenheerden geh’n,Und der Kindheit zephyrgleiche FreudenMit den Blütenflocken mich umwehn:
Wo des Felsstrom’s nächtlich wildes Rauschen,Das der Abhang schwindelnd überblickt,Stumm der Hirt und seine Braut belauschen,Tief im Anschau’n seiner Kraft entzückt;
Wo des Knaben braune PfirsigwangeGlänzend schwarzes Lockenhaar umwallt,Und aus voller Brust im LenzgesangeKraftgefühl und Freiheitssinn erschallt;
Wo Natur und Menschheit still vereinet,Hand in Hand, auf Himmelshöhen geh’n;Wo kein Auge bittre Thränen weinet,Frohe Blicke nur zum Himmel seh’n!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 50–51, Orell, Gessner, Füssli & Comp., Zürich, 1795
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Sehnsucht nach der Schweiz“, Fassung 3.466.669 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Friederike Brun starb 1835; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1905 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118516051 der Deutschen Nationalbibliothek.
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