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Versbuch

An den Gesang

Gustav Schwab · 17921850

44 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1828

Für den Stuttgarter Liederkranz.Melodie: Im Kreise froher, kluger Zecher etc.Wir kommen, uns in dir zu baden,Gesang, vor dein krystall’nes Haus;Dein Rauschen hat uns eingeladen,Geuß nur die klaren Wellen aus;Denn deine reiche Fülle beut,Was starke Männerseelen freut.

Die Liebe wogt auf deinen Wellen,Und strömt in dir durch jedes Herz;Du lehrest ihre Seufzer schwellen,Und lösest heilend ihren Schmerz.Aus deinem Spiegel wallt ihr GlückIn tausendfachem Strahl zurück.

Der feste Glaube, will er wanken,In deinem Quelle stärkt er sich;Da wachsen Flügel dem Gedanken,Dem Auge tagt es wonniglich.Es schaut in deiner blauen FluthDen Himmel und das ew’ge Gut.

Die Freiheit kommt auf dir geschwommen,Hat deiner Arche sich vertraut;Wird ihr das kühne Wort genommen,So tauchet sie sich in den Laut;Sie schifft aus Griechenland und Rom,Ein sel’ger Schwan, auf deinem Strom.

Wenn deine Wogen uns umschlingen,So wissen wir, was Freundschaft heißt.So stark und einig, wie wir singen,So stark und einig ist ihr Geist.Viel Kehlen und ein einz’ger Sang,Viel Seelen in verbund’nem Drang.

Auch dieses glüh’nde Blut der RebenWird erst in deiner Mischung mild;Du machst, daß mit ihm rein’res LebenIn allen unsern Adern quillt;Du stimmest unsern Gläserklang:Gedeihe, festlicher Gesang!

Ja, deinen Segen zu verbreiten,Hast du uns Brüder ausgesandt;Wir wollen deine Ströme leitenHinaus in’s liebe Vaterland;Und wo sie fließen, wo sie glüh’n,Soll Glaube, Freiheit, Liebe blüh’n!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte. 1. Band, S. 109–110, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
Digitalisat
de.wikisource.org — „An den Gesang“, Fassung 1.371.546 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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