Prüfung, ob man liebt
Johann Baptist von Alxinger · 1755–1797
20 Zeilen · zuerst gedruckt 1780
Mein Mädchen wollt’ ich jüngst belauschen,Sie hörte nicht des Schirmes Taffet rauschen,Der mich bedeckt.Doch, Himmel! was hab’ ich da entdeckt!Nun eben wollte sie sich entkleiden,Wie kont’ ich da die gierigen Blicke weiden!Der schönste Busen entschlüpfte dem Flor,Und wie in der QuelleDie kleinste Welle,So fiel er, wo wallt’ er empor.Versteinert stand ich da, doch als ich mich erholte,Erkannt’ ich, was ich sollte;Und thats: und floh davon.Nun mögen Epikurer lachen,Und Faunen über mich sich lustig machen,Mein Herz giebt mir den schönsten Lohn.Ein jeder Leser prüfe sich,Ob er gehandelt hätte, wie ich?Und wem sein Herz nicht dieses Zeugniß giebt,Der sage ja nicht, daß er liebt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte S. 64, 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Prüfung, ob man liebt“, Fassung 2.966.811 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.
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