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Versbuch

Natur und Liebe

Otto Ernst · 18621926

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1907

Fordre nicht, daß ich mit Worten sageWas mich quält und peinigt jeden Tag!Müde bin ich, daß ich keine WorteAuch von deinen Lippen hören mag.

Menschen haben mir so viel mit WeisheitUnd mit leerem Troste zugesetzt,Daß vor ihrer wortbehenden LiebeWahrlich sich mein scheues Ohr entsetzt.

Laß du mich in deine weichen HändeStumm vergraben Stirn und Wangen nur;Dann empfind’ ich schauernd deine LiebeWie den leisen Odem der Natur.

Und zu dir zieht mich dieselbe LockungEwigen Friedens, der ich oft gelauscht,Die aus Quellen flüstert und aus BlumenUnd von hohen, heil’gen Bäumen rauscht.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Siebzig Gedichte S. 74, 1. Auflage, L. Staackmann, Leipzig, 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Natur und Liebe“, Fassung 2.577.314 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Otto Ernst starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118682342 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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