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Versbuch

Als sie zur Mittagszeit noch schlief

Alfred Henschke · 18901928

27 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1927

Zwar es ist schon Mittagszeit,Sonne steht schon hell am Himmel –In den Straßen: welch Gewimmel,In den Herzen: welches Leid –Manches Segel bauscht der Wind,Mancher Kutter bleibt im Hafen –Du sollst schlafen,Du sollst schlafen,Du sollst schlafen, liebes Kind.

Siebzigmal littst du Haitang,Fünfzigmal starbst du Johanna –Schmecktest Süßigkeit und Manna,Wenn der Quell der Qualen sprang.Süßes, junges Blut – es rinnt –Küsse, Dolche flammten, trafen –Du sollst schlafen,Du sollst schlafen,Du sollst schlafen, liebes Kind.

Einmal endet sich das Spiel,Einmal endet sich das Grausen,Und die Ewigkeit wird kühlDir um Brust und Schläfen sausen.Sand deckt dich wie Wolle lind,Und der Hirte bläst den Schafen –Du sollst schlafen,Du sollst schlafen,Du sollst schlafen, liebes Kind.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die Harfenjule S. 50, 1. Auflage, Die Schmiede, Berlin, 1927
Digitalisat
de.wikisource.org — „Als sie zur Mittagszeit noch schlief“, Fassung 1.167.502 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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