Ich lag und schlief, und schlief recht mild
Heinrich Heine · 1797–1856
27 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1827
Verscheucht war Gram und Leid;Da kam zu mir ein Traumgebild,Die allerschönste Maid.
Sie war wie Marmelstein so bleich,Und heimlich wunderbar;Im Auge schwamm es perlengleich,Gar seltsam wallt’ ihr Haar.
Und leise, leise sich bewegtDie marmorblasse Maid,Und an mein Herz sich niederlegtDie marmorblasse Maid.
Wie bebt und pocht vor Weh und Lust,Mein Herz, und brennet heiß!Nicht bebt, nicht pocht der Schönen Brust,Die ist so kalt wie Eis.
„Nicht bebt, nicht pocht wohl meine Brust,Die ist wie Eis so kalt;Doch kenn’ auch ich der Liebe Lust,Der Liebe Allgewalt.
Mir blüht kein Roth auf Mund und Wang,Mein Herz durchströmt kein Blut;Doch sträube dich nicht schauernd bang,Ich bin dir hold und gut.“
Und wilder noch umschlang sie mich,Und that mir bald ein Leid;Da kräht der Hahn – und stumm entwichDie marmorblasse Maid.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Buch der Lieder, Junge Leiden, Traumbilder, S. 34–35, 1, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Ich lag und schlief, und schlief recht mild“, Fassung 3.840.569 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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