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Versbuch

Wunder der Liebe

Ludwig Tieck · 17731853

45 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1821

Glosse.

Mondbeglänzte Zaubernacht,Die den Sinn gefangen hält,Wundervolle Märchenwelt,Steig’ auf in der alten Pracht!

Liebe läßt sich suchen, finden,Niemals lernen, oder lehren,Wer da will die Flamm’ entzündenOhne selbst sich zu verzehren,Muß sich reinigen der Sünden.Alles schläft, weil er noch wacht,Wann der Stern der Liebe lacht,Goldne Augen auf ihn blicken,Schaut er trunken von EntzückenMondbeglänzte Zaubernacht.

Aber nie darf er erschrecken,Wenn sich Wolken dunkel jagen,Finsterniß die Sterne decken,Kaum der Mond es noch will wagen,Einen Schimmer zu erwecken.Ewig steht der Liebe Zelt,Von dem eignen Licht erhellt,Aber Muth nur kann zerbrechen,Was die Furcht will ewig schwächen,Die den Sinn gefangen hält.

Keiner Liebe hat gefunden,Dem ein trüber Ernst beschieden,Flüchtig sind die goldnen Stunden,Welche immer den vermieden,Den die bleiche Sorg’ umwunden:Wer die Schlange an sich hält,Dem ist Schatten vorgestellt,Alles was die Dichter sangen,Nennt der Arme, eingefangen,Wundervolle Märchenwelt.

Herz im Glauben auferblühendFühlt alsbald die goldnen Scheine,Die es lieblich in sich ziehendMacht zu eigen sich und seine,In der schönsten Flamme glühend.Ist das Opfer angefacht,Wird’s dem Himmel dargebracht,Hat dich Liebe angenommen,Auf dem Altar hell entglommenSteig’ auf in der alten Pracht.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Band 2, S. 212–214, 1. Auflage, Hilscher, Dresden, 1821
Digitalisat
de.wikisource.org — „Wunder der Liebe“, Fassung 1.353.768 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Ludwig Tieck starb 1853; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1923 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12989432X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Gedichte aus dieser Epoche: Romantik

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