Der Morgen
Johann Baptist von Alxinger · 1755–1797
44 Zeilen in 11 Strophen · zuerst gedruckt 1780
Bey des Morgens erstem Stral,Wenn nach meines Mädchens GartenIch mich unbelauschet stahl,Fand ich schon sie meiner warten.
Liebe, scheuchte Liebe nurSie so früh aus ihrem Bettchen?O wie war sie ganz Natur!O wie milchweiß ihr Jaketchen!
Kein Toupet, und kein ChignonMachten ihre Haare stocken,Von sich selbst geringelt schonFlatterten die schwarzen Locken;
Bey verliebter Vögel Sang,Bey des leisen Windes Wehen,Schlenderten wir Wang’ an Wang’Arm in Arm durch die Alleen:
Haschten Schmetterlinge vielAuf dem breiten Blumenbette,Hüpften, trieben unser SpielWohl mit ihnen in die Wette.
Bis uns Milch, so weiß als Schnee,Körbchen, voll von Zuckernüssen,Bis die Kanne, voll Kaffee,Nach der Laub’ uns wandern hiessen.
Dann, o wie ein König groß,Saß ich bey dem kleinen Mahle;Hatte sie auf meinem Schooß,Trank mit ihr aus Einer Schale.
Jeder Seufzer ward erhört,Jede Freyheit ward gelitten;Und, mir Kosendem, gewährtAlle leisen Liebesbitten.
Dennoch zankten wir uns auch,Und sie floh, um mich zu necken;Aber selbst im dicksten StrauchHalf mir Sehnsucht sie entdecken.
Nun das lose Mädchen sah,Daß sie keine List befreyet,Sprang sie her, stand lächelnd da,Ganz mit Blüthen überschneyet;
Both mir ihren kleinen Mund,Meine Lippe drauf zu schliessen,O ich küßte sie nun wund,Ohne je mich satt zu küssen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte S. 41-43, 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Morgen“, Fassung 3.436.780 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.
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