Im Frühling
Eduard Mörike · 1804–1875
25 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1878
Hier lieg’ ich auf dem Frühlingshügel:Die Wolke wird mein Flügel,Ein Vogel fliegt mir voraus.Ach, sag’ mir, all-einzige Liebe,Wo du bleibst, daß ich bei dir bliebe!Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.
Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüthe offen,Sehnend,Sich dehnendIn Lieben und Hoffen.Frühling, was bist du gewillt?Wann werd’ ich gestillt?
Die Wolke seh’ ich wandeln und den Fluß,Es dringt der Sonne goldner KußMir tief bis in’s Geblüt hinein;Die Augen, wunderbar berauschet,Thun, als schliefen sie ein,Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.
Ich denke Dieß und denke Das,Ich sehne mich, und weiß nicht recht, nach was:Halb ist es Lust, halb ist es Klage;Mein Herz, o sage,Was webst du für ErinnerungIn golden grüner Zweige Dämmerung?– Alte unnennbare Tage!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gesammelte Schriften. 1 Band: Gedichte, S. 33–34, Göschen, Stuttgart, 1878
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Im Frühling“, Fassung 3.779.763 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Eduard Mörike starb 1875; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1945 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118583107 der Deutschen Nationalbibliothek.
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