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Versbuch

Holzhackers Werbung

Heinrich Kämpchen · 18471912

44 Zeilen in 11 Strophen · zuerst gedruckt 1909

Wie oft unter deinem FensterHab’ durchweint ich die ganze Nacht,Indes du im Daunenbett träumtestVon deiner Geschmeide Pracht. –

Nicht länger will ich noch weinen,Die Tränen sind nutzlose Saat,Was Worte und Tränen nicht können,Das erzwinget die trotzige Tat. –

Du bist eines Grafen Tochter,Ich bin ein Holzhackerssohn,Ich führe die Axt im Wappen,Du trägst eine güldene Kron’. –

Ich fälle im Walde die Bäume,Du lockst die Ritter und Herrn,Ich bin ein winziges Lichtchen,Du bist ein prächtiger Stern. –

Und ob es auch klinget wie Hohne,Dich lieb’ ich allein auf der Welt,Dem Sohn aus des Holzhackers HütteDie Tochter des Grafen gefällt. –

Du schaust auf mich mit dem Blicke,So wie der Herr auf den Knecht,Der, statt ihm den Bügel zu halten,Sich selbst setzt im Sattel zurecht. –

Ich vertreib’ dir die stolzen Blicke,Ja, schau’ mich nur recht an mit Hohn –Eh’ sich der Mond wieder wechselt,Trag’ ich deine güldene Kron’. –

Eh’ sich der Mond wieder wechselt,Bist du des Holzhackers Weib,Dann leg’ ich die markigen ArmeUm deinen hochgräflichen Leib. –

Und willst du nicht willig dich geben,Und folgst du nicht willig zum Wald,So schlag’ ich dich doch noch danieder,Trotz meiner Liebe Gewalt. –

Dann mögen die Herren mich richtenDa droben im gräflichen Saal,Dann mag der Henker mich treffen,So wie ich dich traf mit dem Stahl. –

Wir führen dann beide zusammenEin Wappen mit blutiger Kron’,Mit Axt und Richtschwert darinnen,So liebt es der Holzhackerssohn. –

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Was die Ruhr mir sang, S. 138-140, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
Digitalisat
de.wikisource.org — „Holzhackers Werbung (Kämpchen)“, Fassung 1.097.776 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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