Die Annäherung des Frühlings
Christian Felix Weiße · 1726–1804
32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1758
Schon ist er bald entflohen,Der Winter, meine Lust!Die sanften Weste drohenMir schrecklichen Verlust!Umsonst blüht mir BetrübtenDie neugebohrne Welt:Der Krieg ruft den GeliebtenVon mir ins rauhe Feld.
In jeder Blum entschließetSich mir ein neuer Schmerz,Der Zephyr, der sie küsset,Haucht Wehmuth in mein Herz:Der Landschaft bunte Scenen,Die blumenreiche Au,Sehn meiner bangen ThränenMehr als den Morgenthau.
Umsonst singt jede KehleDen Frühling froh bemüht:Mir singt selbst PhilomeleEin banges Klagelied.Des Leidens MelodienHör ich im freyen Bach:Es reißt der Nord im FliehenMein ganzes Glücke nach.
O steig noch nicht herniederDu Lenz, der Erde Lust!Mir bringst du Blumen wieder,Doch Gram in meine Brust.Dich wünscht die Welt: die FreudenDer Liebe bringst du ihr:Sollt ich sie nicht beneiden?Die meinen raubst du mir!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Scherzhafte Lieder. S. 148-149, 1. Auflage, Weidemann, Leipzig, 1758
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Annäherung des Frühlings“, Fassung 3.473.271 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Christian Felix Weiße starb 1804; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1874 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118630563 der Deutschen Nationalbibliothek.
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