Neue Liebe
Louise Otto-Peters · 1819–1895
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1893
Wenn mit neuen Glutgefühlen und mit sehnendem Verlangen,Einem Herzen ist die Liebe gleich der Sonne aufgegangen,Da erwachen neue Lieder so die neue Schöpfung preisen,Aus den langverstummten Innern klingts in wunderreichen Weisen.
Aber eine Liebe weiß ich, eine, die uns mehr erschüttertUnd ihr Aufgang gleicht der Sonne, wenn die Wetterwolke wittert,Wenn die Fluren tauig glänzen und die Vögel wonnig schmetternUnd in rabenschwarzen Wolken Blitze machtlos niederklettern.
Freiheit! Freiheit ist die Sonne und der Freiheit gilt dies Lieben,Wollet nimmer Euch verwundern, daß, die frühe stumm verblieben,Von den deutschen Sängern allen, jetzt auch Schlachtenlieder singen –Freiheit, des Jahrhunderts Göttin heischt solch waffenhelles Klingen.
Drohet nur ihr dunklen Wolken, so die Sonne noch umzogenEure Blitze falln wie Pfeile von den schlaffgewordnen Bogen,Fallen machtlos, zündlos nieder, schrecken nur der Feigen Wege,Doch wir Andern sprechen tröstend: seht! es sind nur kalte Schläge.
Laut besingen die Geliebte heischt des Liebenden BegehrenIhre Huld in Liedern preisen und vor aller Welt sie ehren.Kämpfen auch sie zu besitzen, sterben, für die Liebste sterben –Dazu sind wir all begeistert, die um’s Liebchen „Freiheit“ werben.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 40-41, 1. Auflage, Moritz Schäfer, Leipzig, 1893
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Neue Liebe (Louise Otto)“, Fassung 3.541.529 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Louise Otto-Peters starb 1895; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1965 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118590901 der Deutschen Nationalbibliothek.
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