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Versbuch

Den Siegestrunknen.

Georg Herwegh · 18171875

41 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1886

Frühjahr 1871Vorüber ist der harte Strauß,Der welsche Drache liegt bezwungen,Und Bismark-Siegfried kehrt nach HausMit seinem Schatz der Nibelungen;Stolz blickt auf ihrer Kinder SchaarGermania, die Heldenmutter;Stolz blickt das Denkervolk sogarAuf Döllinger, den Afterluther.

Ihr habt ein neues deutsches Reich,Von Junkerhänden aufgerichtet.Redwitz besingt den SchwabenstreichUnd hat ein dickes Buch gedichtet;Ihr habt ein neues Oberhaupt,Ihr Elsaß-Lothringen-Verspeiser;Den Papst, an den ihr nicht mehr glaubt,Ersetzt ein infallibler Kaiser.

Ihr wähnt euch einig, weil die PestDer Knechtschaft sich verallgemeinert,Weil täglich noch der kleine RestLebend'ger Seelen sich verkleinert;Ihr wähnt euch einig, weil ein MannDarf über Krieg und Frieden schaltenUnd euch zur Schlachtbank führen kannMit der Parol': das Maul gehalten!

Ach, Einheit ist ein leerer Schall,Wenn sie nicht Einheit ist im Guten,Wenn ihr korinthisches MetallUns mahnt an Mord und Städtegluten;Ach, Einheit ist ein tönend Erz,Wenn sie nur pochend auf KanonenZu reden weiß an unser Herz -Und klingt es anders von den Thronen? -

Einheit des Rechtes ist kein Schild,Der uns bewahrt vor Unterdrückung;Nur wo als Recht das Rechte gilt,Wird sie zum Segen, zur Beglückung.Nur diese war's, die wir erstrebt,Die Einheit, die man auf den NamenDer Freiheit aus der Taufe hebt;Doch eure stammt vom Teufel: Amen!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Vorwärts, 1. Auflage, Verlag der Volksbuchhandlung in Hottingen, Zürich, 1886
Digitalisat
de.wikisource.org — „Den Siegestrunknen“, Fassung 3.778.995 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Georg Herwegh starb 1875; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1945 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118550128 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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