Der Kuß
Karl Streckfuß · 1778–1844
14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1804
Nie kann die Liebe ganz ihr Wesen sagen,Und tief im Herzen glimmt die reinste Gluth.Sich zu enthüllen wär’ ihr höchstes Gut,Doch kann sie nie in lichte Flammen schlagen.
Die Sprache kann das Heiligste nicht tragen,Kann nicht entschleyern, was im Herzen ruht,Doch treibt der Sehnsucht ungestümer Muth,Selbst das Unmögliche mit Kraft zu wagen.
Vergebens – nach dem Mädchen hingewandt,Fühlt sich der Liebende das Herz beklommen,Und selbst der Sprache armen Trost entnommen;
Dann öffnet sich der Arme Wechselband,Dann flieget Lipp’ und Lippe heiß zusammen,Und beyde Seelen glühn in gleichen Flammen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 31 - 32, 1, J. V. Degen, Wien, 1804
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Kuß“, Fassung 4.640.951 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Karl Streckfuß starb 1844; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1914 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 117313165 der Deutschen Nationalbibliothek.
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