Mädchennacht
Paul Boldt · 1885–1921
16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1914
Der Mond ist warm, die Nacht ein Alkohol,Der rasch erglühend mein Gehirn betrat,Und deine Nacktheit weht wie der PassatTrocknend ins Mark.
Du hast ein weißes Fleischkleid angezogen.Mich hungert so — ich küsse deine Lippen.Ich reiße dir die Brüste von den Rippen,Wenn du nicht geil bist!
— Küsse sind Funken, elektrisches LechzenKupferner Lippen, und die Körper knacken!Mit einem Sprunge sitzt mein Kuß im NackenUnd frißt dein Bäumen und dein erstes Ächzen.
Und als ich dir die weißen Knie und,Dein Herz verlangend, allen Körper küßte,Geriet mein Schröpfkopf unter deine Brüste;Da drängte sich das Herz an meinen Mund.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Junge Pferde! Junge Pferde! S. 39, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1914
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Mädchennacht“, Fassung 2.317.362 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Paul Boldt starb 1921; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1991 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118661175 der Deutschen Nationalbibliothek.
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