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Versbuch

Kartoffelfeuer

Rudolf Lavant · 18441915

32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1965

Mir trübt das Weltbild keine graue Brille.Ich liebe sehr der Sommertage Schluß.Ich liebe sehr die Klarheit und die StilleUnd der Oktobersonne warmen Kuß.Und wenn am Rain die Hagebutten reifenUnd blaubehaucht die herben Schlehen stehn,Dann muß ich meinem treuen Hunde pfeifenUnd querfeldein durch Wald und Fluren gehn.

Ich fahre nichts behaglich in die Scheuer,Wenn sich das Jahr zu seinem Ende neigt,Doch grüß ich freudig die Kartoffelfeuer,Aus denen prasselnd eine Flamme steigt,Und mit den muntern Buben möcht ich springen,Die jubelnd sich um diese Feuer mühn,Und ärmevoll die dürren Stauden bringen,Die prasselnd sich zu weißer Asche glühn.

Im Rauch verschwinden ab und zu die Jungen,Der aus den Lücken bricht des losen Baus,Dazwischen lecken rote Feuerzungen,Und schier bedrohlich sieht’s mitunter aus.Inzwischen aber wühlt die flinke Hacke,Die hurtig leer den warmen Boden macht,Und sichtlich häuft der Segen sich im Sacke,Den ernsten Blicks der weiße Spitz bewacht.

Mit einem Scherzwort trocknen von der Stirne,Für Augenblicke rastend, sich den SchweißDer rüst’ge Mann, die fixe, ros’ge Dirne,Denn reiche Ernte lohnt der Arbeit Fleiß.Das muntre Bild verlockte mich zum Bleiben;Am Saum des Ackers blieb ich lächelnd stehn,Und teilnahmsvoll hab ich dem regen Treiben,Dem Erntefest des Volkes, zugesehn.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Rudolf Lavant Gedichte, 3. Auflage, Akademie Verlag, Berlin, 1965
Digitalisat
de.wikisource.org — „Kartoffelfeuer“, Fassung 3.492.504 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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