Glück der Entfernung
Johann Wolfgang von Goethe · 1749–1832
24 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1827
Trink’, o Jüngling! heil’ges GlückeTaglang aus der Liebsten Blicke;Abends gaukl’ ihr Bild dich ein.Kein Verliebter hab’ es besser;Doch das Glück bleibt immer größer,Fern von der Geliebten seyn.
Ew’ge Kräfte, Zeit und Ferne,Heimlich wie die Kraft der Sterne,Wiegen dieses Blut zur Ruh.Mein Gefühl wird stets erweichter;Doch mein Herz wird täglich leichterUnd mein Glück nimmt immer zu.
Nirgends kann ich sie vergessen;Und doch kann ich ruhig essen,Heiter ist mein Geist und frei;Und unmerkliche BethörungMacht die Liebe zur Verehrung,Die Begier zur Schwärmerey.
Aufgezogen durch die SonneSchwimmt im Hauch äther’scher WonneSo das leichtste Wölkchen nie,Wie mein Herz in Ruh und Freude.Frei von Furcht, zu groß zum Neide,Lieb’ ich, ewig lieb’ ich sie!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Goethe’s Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Erster Band. S. 48, J. G. Cotta’sche Buchhandlung, Stuttgart und Tübingen, 1827
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Glück der Entfernung“, Fassung 2.561.824 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Wolfgang von Goethe starb 1832; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1902 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118540238 der Deutschen Nationalbibliothek.
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