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Versbuch

Der Sonnenaufgang im Winter

Friederike Brun · 17651835

34 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1795

1783.

Sonne komm hervor!Sonne steig’ empor!Sieh’, es neigetSich der Tanne Wipfel!Sieh’ es beuget,Halb im Schnee versteckt,Halb im Morgenroth entdeckt,Jedes Hälmchen seine Spitze dir!

Leise schwebt, wie nur der Geist empfindet,Hauch der Liebe ungesehen,Wie ein Kind der Mutter Arm umwindet,Auf den kleinsten Hälmchen deines Athems Wehen!Und es steigt empor zu HimmelshöhenLeise das ErhaltungsflehenAller Creatur,Und von der erstarrten FlurDas Dankopfer der Natur!

Halb gesehn, und halb verschwunden,Neigt, nach still durchwallten Stunden,Cynthia ihr mattes Haupt;Schön mit Rosen ihre Stirn’ umwunden,Früh’ Aurorens Kranz geraubt.

Fliege schnell, wie sanfter Liebe Sehnen,Morgenroth! zum besten Vater hin;Hin zur stillen Ruhestätte,Wo, nach innigem Gebete,Frohe Träume seine Stirn’ umziehn!

Und mit leisem, liebevollem Säuseln,Wie dem Abendhauch sich Bäche kräuseln,Sag’ ihm mit der Liebe Laut: Daß seineFern von ihm getrennte Tochter weine,Daß sie nicht den heitern MorgengrußHeut empfängt, und ihres Vaters Kuß.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 61–62, Orell, Gessner, Füssli & Comp., Zürich, 1795
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Sonnenaufgang im Winter“, Fassung 3.445.273 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Friederike Brun starb 1835; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1905 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118516051 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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