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Versbuch

Wechsel

Gustav Schwab · 17921850

40 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1828

O Liebe, falsche Trügerin,Mit Lust und Kosen Kriegerin,In Demuth stolze Siegerin,Wie hast du mich betrogen!Aus kühler Abgeschiedenheit,Aus einsamer Zufriedenheit,Aus aller Glut VermiedenheitAuf’s neu herausgelogen!

Die dunkeln Locken mied ich schon,Von bleichen Wangen schied ich schon,Mit dem Verlangen stritt ich schonNach braunem Augensterne;Ich von den regen Blicken süßNicht ferner mich berücken ließIch andern Sieg sie pflücken hieß,Nur mir vom Herzen ferne.

Doch blonder Locken Helligkeit,Doch blauen Aug’s Gefälligkeit,Doch schlanker Glieder Schnelligkeit,Die däuchten mir nicht fährlich;Die Blicke Glut nicht sprühende,Die Wangen zart erblühende,Die Lippen feucht erglühende,Mir schien, sie meinten’s ehrlich.

Nicht schmachtende Geduldigung,Nicht eifernde Beschuldigung,Nur Scherz und Gruß und Huldigung,Nur Spiel mit Lock’ und Lippen!Nicht dacht’ ich ach! der Freudige,Muthwillig froh Geschmeidige,Das heimlich bitter leidige,Verliebte Gift zu nippen.

Wie höhnen nun die Brüder mich,Wie brennt es durch die Glieder mich,Wie strahlt verderbend wider michDie leichte, schlanke Blonde!So blauer Augen schnelle Gluth,So gelber Locken helle Fluth!Braus’ auf mein Herz und schwelle Blut,Wie Meereswell’ im Monde!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte. 1. Band, S. 60–61, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
Digitalisat
de.wikisource.org — „Wechsel“, Fassung 5.018.210 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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