Mit Flemmings Gedichten
Gustav Schwab · 1792–1850
26 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1828
An einen Kritiker.Sollt’ es auch kein Dichter seyn,Ist’s doch eine Sängerkehle,Die aus frischer, voller SeeleSang ein Lied, nicht ohne Fehle,Doch vom Staub der Erde rein.
Was die Welt noch Ew’ges hegt:Freundschaft, steter Treue Siegel,Liebe, bess’rer Zukunft Spiegel,Mannes Pfad durch Haft und Riegel –Davon ist sein Herz bewegt.
Wandernd in das ferne Land,Konnt’ er singen, immer singen,Ließ durch kalte Steppen dringen,Ließ in dumpfer Hitze klingenJeden Trost, den er empfand.
Schüttelt uns das Leben kalt,Drückt es uns mit seinen Gluthen,Will uns langer Pfad entmuthen,Alt’ und neue Wunde bluten:Hier ist Balsam mannigfalt.
Lust im Glück und Heil im Schmerz!Solch ein Sang ist nie verloren;Sprödes Kosten laß den Thoren,Saug’ ihn ein mit offnen Ohren,Laß ihn strömen in das Herz!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 97–98, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Mit Flemmings Gedichten“, Fassung 1.371.593 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.