An Mastalier
Johann Baptist von Alxinger · 1755–1797
73 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1780
Freund! daß ein Sauertopf, wenn mein GedichtIn Doris Ohr den Wunsch der Liebe flüstert,Ihr hyperkritisches Gesichtmit hundert Falten ernst verdüstert:Daß über mich das CensoramtDer Geizhals übt, und brummend mich verdammt,Weil ich nicht lerne Geld zusammenscharren,Geld, welches einst auf sieben grosse KarrenMein Erbe lächelnd lüd: auch daß mir KunigundMit runzelvoller Wang’ und geiferweissem MundDurch Rudera von Zähnen zischend fluchet,Und in der Hölle schon das wärmste Plätzchen suchet,Die (alte Buhler sagen das,)Einst ihren Hofmannswaldau las,Und das Erröthen oft vergaß:Daß, weil ich Weltkind das SystemVon der Bevölkrung adoptiret,Mich ein Kalenderschwarm (sein Obrer hälts genehm)In bündigen Dilemmen refutiret,Mich neidet, und vom Himmel exkludiret;Dies, lieber Freund, ist schon der Dinge Lauf,Ein Thor hält sich dawider auf.Doch, daß mein Mastalier, geschaffen die GrimassenScheinheiligen zu überlassen,Der mit dem schwarzen Rock durch seine Biedertreu’Auch einen Freygeist selbst versöhnte,Voll ächter Frömmigkeit des Klausners HeucheleySo wie des Weltmanns Frechheit immer höhnte,Daß dieser Mastalier ein Lied verdammt,Das wie mein Herz von Liebe flammt;Ha! dies ist sonderbar: reißt nicht der Liebe HandSo oft die unbescheidne JugendZurücke von des Abgrunds Rand,Und richtet auf die schwachgewordne Tugend?Stützt nicht auf sie sich jenes heilge Recht,Das einem sanfteren Geschlecht,So unser blinder Stolz das schwächre nennet,Die Herrschaft über uns zu unsrem Besten gönnet.Ein Jünglingsherz, das Liebe nicht verwahrt,Wird allemal wild, oder hart.
Drum Freund! wenn mancher ras’t, wenn er die offne StirneDurch einen Myrtenkranz entehrt,Im Wirbel frecher Tänz’ ihn die verbuhlte DirneDer Unschuld Hohn zu sprechen lehrt:Wenn er durch Furien zum Spieltisch hingejaget,Vom Schrecken bald in Kohlen bald in EisGetauchet sitzt, und seiner Ahnen SchweißAuf Einer Karte waget:Wenn er beym tollen FreudenmahlDem Schlemmer in die Arme sinket,Und aus dem silbernen PokalDen Tod hinein in langen Zügen trinket,Da dank’ ich es der Mädchen Besten,Daß ich nicht auch bey diesen Horden bin.Entfernt von Trinkgelagen, wilden FestenUnd niedrer Liebe zum Gewinn;Da sing’ ich ihr, von Neidern unbelauschet,Wo nur der Kuß verschämter Liebe rauschet,In dunkler Rosenlaub’ ein LiedDas von dem Herzen kömmt, und nach dem Herzen zieht.Da les’ ich ihr, der Heucheley zum Trutz,Musarions und Gandalins Geschichtchen,Mit unter auch von Gleim, und Uz,Und Hagedorn, und Bürger ein Gedichtchen:So stehlen sich die Tage meines LebensIn Unschuld und Vergnügen hin,Daß ich, um froh zu seyn, geschaffen bin,Fühl’ ich, und fühl’ es nicht vergebens.Der Gott, der seine AllgewaltZur Dienerin der Güte machte,Nicht alles so in lieblicher GestaltNur darum schuf, daß es der Stolz verachte,Wird, wenn der Mensch genießt, bezahlt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte S. 102–105, 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „An Mastalier“, Fassung 2.966.824 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.
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