Einleitung
Karl Streckfuß · 1778–1844
28 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1804
Hört ihr mich von Amandens Reizen singen,So glaubt nicht, daß ein irrdisch Weib ich liebe.Entflohen aus dem niedern Land der Triebe,Erhebt zum Aether Sehnsucht ihre Schwingen.
Dort weiß sie sich das Höchste zu erringen,Von dorther bringt sie mir die Gluth der Liebe,Und was ich rede, denke, dicht’ und übe,Seht ihr aus diesem reinen Quell entspringen.
Wohl glaubt’ ich einst auch außen aufzufindenDie holden Blumen, die aus dunkeln KeimenIn meinem reichen Herzen aufgeblühet;
Doch sah ich traurend bald die Täuschung schwinden,Und weiß es sicher nun, daß nur in TräumenDer wahren Liebe heil’ges Feuer glühet.
Noch fand ich auf der Erde weiten AuenNicht eine Seele, die mich ganz ergründet,Am eitlen Glanz der Erdenlust erblindet,Kann keine ganz mein Innerstes durchschauen.
Dir, holde Dichtung, will ich mich vertrauen,Dir will ich sagen, was mein Herz empfindet,Der heil’gen Gluth, die meine Brust entzündet,Will ich des Liedes ew’gen Tempel bauen.
In dir, o Dichtung, blüht mein wahres Leben,In dir nur kann ich ganz mein Wesen sagen,Du nur vermagst der Sehnsucht Sturm zu stillen.
Was sollt’ ich noch nach andrer Wonne streben,Da himmlisch, selbst wenn meine Töne klagen,Mich tausend Freuden wunderbar erfüllen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 83 - 85, 1, J. V. Degen, Wien, 1804
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Einleitung (Streckfuß 1804)“, Fassung 1.448.887 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Karl Streckfuß starb 1844; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1914 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 117313165 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.